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Okt 11 2011

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BIP – Das Brutto-Inlands-Produkt

DAA VWL 14.01.11

Das BruttoInlandsProdukt

Es gibt verschiedene Möglichkeiten und Kategorien, wie Volkswirtschaften verglichen werden können. Neben dem BIP gibt es z.B. noch die Arbeitslosenquote, die Inflation oder den Außenhandelsüberschuss (oder -Defizit). Das BIP stellt genau genommen zwei Werte dar, und kann auf zweierlei Weise ermittelt werden: Einmal über die Einnahmen, einmal über die Ausgaben einer Volkswirtschaft. Denn diese sollten in der Summe gleich sein, weil sie lediglich zwei Seiten der selben Medaille sind. Einerseits aus der Sicht der Käufers, andererseits aus der Sicht des Verkäufers. Wenn Mario der Becky etwas für 10,- Euro verkauft, trugen beide für 10,- zum BIP bei. Aber nicht jeweils, sondern gesamt.

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Das BIP kann mit einem Satz erklärt werden, der in sich so perfekt ist, dass jedem Wort eine ausgesucht wichtige Bedeutung zukommt. Es ist also in einer Klausur ratsam, den Satz ursprünglich und nicht frei interpretiert wieder zu geben.

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Das BIP ist der Marktwert aller für den Endverbrauch bestimmten Waren und Dienstleistungen, die in einem Land in einem bestimmten Zeitabschnitt hergestellt werden.

Ich möchte hier nur meine obige Behauptung erhärten und den Satz häppchenweise erläutern:

..der Marktwert..

Das BIP zählt nur die tatsächlich gezahlten Preise zusammen. Er nimmt keine Rücksicht auf immaterielle Werte oder den Produktionsaufwand. Wer eine Goldmine hat, arbeitet vielleicht nicht unbedingt härter als jemand, der eine Kupfermine hat. Aber er wird bei gleicher Absatzmenge in Kilo sicherlich mehr zum BIP beitragen.

..aller..

Das BIP mißt alle legal geschaffenen Werte. Der „Verdienst“ von Drogendealern und Fahrraddieben wird also nicht gemessen.

..Endverbrauch..

Es wird nur das Endprodukt gerechnet. Ist das Endprodukt im Zeitabschnitt noch nicht fertig, aber bereits Zwischenprodukte gehandelt worden, so werden die verkauften Zwischenprodukte erfasst und in einem späteren Zeitabschnitt, wenn das Endprodukt vollendet und veräußert wurde,  wieder gegen den Endproduktverkaufspreis gegengerechnet (also davon abgezogen).

..Waren und Dienstleistungen..

Es ist also egal, ob du dein Geld für ein materielles Gut, also eine Ware, oder eine Dienstleistung ausgegeben hast.

..in einem Land..

Also z.B. in Deutschland.. Hier unterscheidet sich das BIP vom früheren BSP (Bruttosozialprodukt) und heutigen BNE (BruttoNationalEinkommen). Das BIP zählt alle innerhalb Deutschlands erbrachten Leistungen, auch von Ausländern, aber keine Leistungen von Deutschen im Ausland. Dies ist bei BSP und BNE genau umgekehrt. Diese zählen die Leistung von kurzfristigen Gastarbeitern nicht, jedoch von kurzfristig im Ausland arbeitenden Deutschen.

..bestimmten Zeitabschnitt..

Dies ist üblicherweise ein Jahr oder ein Quartal.

..hergestellt werden.

Wer also einen Neuwagen kauft, erhöht das BIP. Wer einen Gebrauchtwagen kauft, sorgt zwar auch für Umsatz und zahlt ggf. sogar nochmal doppelt Umsatzsteuer auf bereits von der Umsatzsteuer erfasste Ware (Unternehmer, wenn er Gebrauchtwagen ohne USt-Ausweismöglichkeit erwirbt), aber das BIP wird dabei nicht erhöht. Der Wagen wurde ja nicht neu produziert.

 

Bildung des BIP

Y = C + I + CST + X – M 

Das Volkseinkommen Y wird gebildet von den Ausgaben privater Haushalte C und den Investitionen I der Unternehmen, den Staatsausgaben CST, zuzüglich der Exporte X und wiederum abzüglich der Importe M.

Reales BIP oder Nominales BIP?

Vergleicht man die BIP zweier Zeitabschnitte und stellt fest, dass das BIP gewachsen ist, so bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass die Volkswirtschaft gewachsen ist. Das rein nominale BIP muss vielmehr in ein reales BIP verwandelt werden, um aussagekräftig verglichen werden zu können. Denn wenn das BIP 2011 höher ist, als das BIP 2010, so könnte die Volkswirtschaftliche Leistung trotzdem kleiner geworden sein – nämlich dann, wenn der mengenmäßige Absatz gesunken, die Preise jedoch in höherem Verhältnis gestiegen sind.

Kurz: Verkauft Händler X statt 100 Äpfeln zu 1,- Euro nur noch 80 Äpfel zu 2,- Euro,  so ist das BIP gewachsen, die Leistung jedoch nicht. Es muss also auch noch die Inflation berücksichtigt werden. Dies wird erreicht, indem das BIP des aktuellen (oder zu berechnenden) Zeitabschnittes mit den Preisen des vorigen Zeitabschnittes berechnet werden. Das Ergebnis ist das reale BIP.

 

 

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Über den Autor

Mario Liedtke

Mario Liedtke hat 2013 an der DAA Düsseldorf den 'Staatlich geprüften Betriebswirt' erworben. Nun bastelt er an seinem Master (MBA). Außerdem fotografiert er gerne und fliegt gelegentlich 3D-fähige RC-Helicopter. Manchmal verbindet er auch beides miteinander.

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