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Okt 09 2011

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Der Leverage-Effekt

eDAA BWL 13.01.11

Der Leverage-Effekt

Der Leverage-Effekt beschreibt, wie ein Unternehmen seine Eigenkapitalrendite steigern kann, indem es Kredite aufnimmt. Damit dies jedoch funktioniert und der Effekt in Kraft treten kann, sind nachfolgende Voraussetzungen zwingend erforderlich.  Ohne diese würde der Effekt nicht eintreten, oder sogar ins Negative umschlagen und die Eigenkapitalrendite senken.

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Voraussetzungen:

  • Die Zinsen die für den Kredit gezahlt werden müssen, müssen niedriger sein als die Gesamtkapitalrendite.
  • Umsatz und Gewinn wachsen zukünftig (mindestens) genauso wie bislang.
  • Die Nachfrage nach den Gütern des Unternehmens ist ungebrochen noch nicht gesättigt.

Leverage-Effekt – gaaanz simples Beispiel

Das Prinzip des Leverage-Effektes in drei Sätzen:
Paul hat nur 1,- Euro, weiß aber, dass Anton 5,- Euro für einen Flummi ausgeben würde, den Paul für 2,- Euro beim Kiosk um die Ecke kaufen kann. Paul leiht sich also 1,- Euro von seiner Mutter, kauft den Flummi um ihn umgehend an Anton für 5,- Euro zu verkaufen. Paul hat soeben das Grundprinzip des Leverage-Effekts entdeckt – nicht schlecht für jemanden, der noch mit Flummis spielt.

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Leverage-Effekt – Simples Beispiel:

Nehmen wir an, es wäre der 19.05.1997, ich wäre ein Trödelmarkthändler und hätte 500,- Euro Kapital. Das Tamagotchi kam vor genau einer Woche nach Deutschland, ich hatte es als Erster und habe alle verkaufen können. Mein Einkaufspreis ist 5,- pro Stück. Ich könnte also genau 100 Stück kaufen und morgen alle für 10,- Euro verkaufen. Die Nachfrage ist riesig, ich würde garantiert alle verkauft bekommen. Meine Eigenkapitalrendite wäre somit 100%. (Meine Gesamtkapitalrendite auch, da aktuell ja 0,- Euro Fremdkapital im Spiel war). 500,- ausgegeben, 1.000,- eingenommen, davon 500,- Gewinn. Innerhalb von nur einer Woche! Denn Montags kaufe ich ein, Samstags verkaufe ich auf dem Trödelmarkt.

Da ich mir absolut sicher bin, auch 1.000 Stück verkaufen zu können, nehme ich einen Kredit von 4.500,- Euro auf und kaufe 1.000 Tamagotchis. Weil ich nur ein Trödler bin, zahle ich horrende 20% Zinsen – für eine Woche! Aber das ist mir egal.

Nun habe ich also 1.000,- Tamagotchis. Glücklicherweise kann ich sie alle verkaufen und habe nun 10.000,- Euro eingenommen. Ich zahle 4.500,- Kredit + 900,- Zinsen =  5.400,- Euro zurück und habe nun noch 4.100,- Euro Gewinn + mein eingesetztes Eigenkapital von 500,- Euro. Mein Eigenkapitel ist und war auch diesmal nur 500,- Euro. Aber ich habe nicht nur 500,- Euro erwirtschaftet, sondern 4.100,- Euro. Meine Eigenkapitalrendite war nun 820% (\frac{4.100}{500}*100 )! Das ist wesentlich mehr als die 100% EKR ohne Kredit! Meine Gesamtkapitalrendite war 100%  (\frac{5.000}{5.000}*100 ). Da (s.o.) also alle Voraussetzungen gegeben waren, hat der Leverage-Effekt toll funktioniert. Dieses Beispiel ist natürlich etwas extrem, aber dafür anschaulich und leicht nachvollziehbar. Eigentlich ist der Leverage Effekt also ganz einfach. Deshalb nun nochmal ausführlich und mit realistischeren Zahlen wie sie in einem Unternehmen vorkommen können.

Leverage-Effekt am Beispiel eines Unternehmens

Wir nehmen für eine Unternehmung folgende Werte an:
150.000,- Euro Eigenkapital und 250.000,- Euro Fremdkapital zu 7,2% Zinsen. Bisherige AfA 40.000,-, Wareneinsatz 200.000,-, 25% Steuern auf Jahresüberschuss, 426.000,- Umsatz, 24.000,- Miete und 120.000,- Aufwand.

Nun soll eine neue Investition von 48.000,- Euro getätigt werden, die auf 10 Jahre linear abgeschrieben werden kann und den Wareneinsatz um 10% verringern hilft. Die Investition könnte der Unternehmer aus eigenen, privaten Mitteln tätigen oder über einen Kredit zu den bisherigen Konditionen.

Die Formel für den Leverage-Effekt lautet:

REK = RGK + (RGK – FKZ) * VG

 

Beispielrechnung – Schritt 1 – Nebenrechnung:

Umsatz 426.000,-
– Aufwendungen -120.000,-
– Miete -24.000,-
– Wareneinsatz -200.000,-
Gesamtgewinn 82.000,-
– Fremdkapitalzinsen -18.000,-
Gewinn vor Steuern 64.000,-
25% Steuern 16.000,-
Gewinn nach Steuern 48.000,-

Beispielrechnung – Schritt 2 – Kalkulation

 
Kapitalstruktur vor der Investition Investition mit EK Investition mit FK
EK – Eigenkapital 150.000,- 198.000,- 150.000,-
FK – Fremdkapital 250.000,- 250.000,- 298.000,-
VsG / VG – Verschuldungsgrad 1,67 1,26 1,99
AfA – Abschreibung für Abnutzung 40.000,- 44.800,- 44.800,-
FKZ – Fremdkapitalzinsen 18.000,- 18.000,- 21.456,-
Jahresüberschuss n.St. (Gewinn) 18.000,- 30.000,- 26.808,-
RGK (GKR) – Rendite Gesamtkapital 9% 10,17% 10.77%
REK (EKR) – Rendite Eigenkapital 12% 13,91% 17,87%

Beispielrechnung – Schritt 3 – Ausrechnen

Der Verschuldungsgrad bildet sich aus \frac{FK}{EK} – siehe Formelsammlung für die BWL. Setzen wir diese Werte nun in unsere Formel  REK = RGK + (RGK – FKZ) * VG ein, so wird daraus:

Spalte 1 – bisher:
x = 9 + (9-7,2)*1,67
x = 12,006

Spalte 2 – Investition mit Zuschuss privaten Eigenkaptials
x = 10,17 + (10,17-7,2)*1,2
x = 15,1299

Spalte 3 – Investition mit Fremdkapital
x = 10,77 + (10,77-7,2)*1,99
x = 17,87

 

Fazit:

Vor der Investition hatten wir also eine Gesamtkostenrendite von 9%. Dies liegt über den 7,2% die uns das Leihen von Geld bei der Bank kostet. Somit kann der Leverage-Effekt wirken – natürlich vorausgesetzt, die Nachfrage bleibt bestehen, und Umsatz & Gewinn entwickeln sich gleichartig weiter. Statt anfänglicher 12% Eigenkapitalrendite haben wir nun 17,87%. Zwar hätte sich die Rendite auch erhöht, wenn wir privates Kapital zugeschossen hätten – dann jedoch wäre die Eigenkapitalrendite nur auf 13,9% gestiegen.
Der Leverage-Effekt hat also tatsächlich funktioniert.

 

 

 

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Über den Autor

Mario Liedtke

Mario Liedtke hat 2013 an der DAA Düsseldorf den 'Staatlich geprüften Betriebswirt' erworben. Nun bastelt er an seinem Master (MBA). Außerdem fotografiert er gerne und fliegt gelegentlich 3D-fähige RC-Helicopter. Manchmal verbindet er auch beides miteinander.

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