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Aug 21 2011

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Umsatzsteuer & das Mehrwertprinzip

DAA ReWe 16.11.10

HandyinRaten.de

Die Umsatzsteuer kennt jeder von uns – unter dem Namen Mehrwertsteuer. Dass sich dieser Begriff eingebürgert hat, mag daran liegen, dass er freundlicher klingt. Er erklärt das Wesen der Umsatzsteuer sogar exakter – geholfen hat es nichts. Die überwiegende Zahl der Deutschen würde folgende Quizfrage falsch beantworten.

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„Wenn der Händler das Obst für 10,- Euro + MwSt vom Bauern kauft und es für 20,- Euro + MwSt an den Kunden verkauft, wer zahlt dann wieviel Mehrwertsteuer?“

  1. Jeder die Hälfte
  2. Jeder 7%
  3. Jeder 19%
  4. Der Kunde  zahlt alles
  5. Der Händler zahlt alles

Richtig wäre Antwort d, denn der Kunde zahlt die Mehrwertsteuer. Immer. Egal ob sie nun 19% für allgemeine Waren, oder ermäßigte 7% für z.B. Lebensmittel ist. Der Händler behält sie allerdings ein und führt sie an das Finanzamt ab.

Vorsteuer und Umsatzsteuer

Dass der Händler nicht durch die Umsatzsteuer belastet wird, liegt an der Vorsteuer. Denn Unternehmer unter sich verrechnen die Umsatzsteuer, kurz USt mit der Vorsteuer, kurz VSt.
Dies erkläre ich an obigem Beispiel, das wir jedoch noch um den Großhändler erweitern. Da es sich um Obst, also Lebensmittel handelt, rechnen wir mit den ermäßigten 7%, das Prinzip ist aber für 19% identisch.

Der Bauer verkauft also eine Kiste Obst für 10,- + USt an den Großhändler, dieser für 20,- + USt an den Händler und der nun für 30,- + Ust an den Endkunden. Anhand der Tabelle wird ersichtlich, dass die USt der Endkunde zahlt.

Weg des
Obstes
Einkaufspreis Verkaufspreis Mehrwert Zahllast
7% v. MW
Zahllast
7% Ust
gesamt
VSt
Abzug
Wert
Ausgangs-
Rechnung
Bauer 0,- 10,- 10,- 0,70 0,70 0,70 10,70
Großhändler 10,- 20,- 10,- 0,70 1,40 0,70 21,40
Händler 20,- 30,- 10,- 0,70 2,10 0,70 32,10
Endkunde 30,- 2,10 Eingangs-
Rechnung
32,10

Der Bauer hat nun also 10,70 Euro erhalten. Davon sind 10,- sein Umsatz, 0,70 Euro die Umsatzsteuer. Diese 0,70 Euro führt er an das Finanzamt ab*.

Der Großhändler erhält nun 21,40 Euro. Davon sind 20,- sein Umsatz, 1,40 Euro die Umsatzsteuer. Anhand seiner Eingangsrechnung über 10,70 Euro, zieht er jedoch von seinen 1,40 Euro Steuerlast schonmal 0,70 Euro ab. Es verbleiben 0,70 Euro Steuerlast. Diese führt er an das Finanzamt ab*.

Der Händler erhält nun 32,10 Euro. Davon sind 30,- sein Umsatz, 2,10 die Umsatzsteuer. Anhand seiner Eingangsrechnung zieht er jedoch die USt heraus. 32,10 Euro Umsatz minus 21,40 Euro Einkaufskosten sind 10,70 Euro, davon 0,70 Euro Umsatzsteuer. Der Händler hat also vom Endkunden seine eigenen gezahlten 1,40 Euro USt zurück erhalten – plus zusätzlich 0,70 Euro USt für seine eigene Wertschöpfung. Diese 0,70 Euro führt er an das Finanzamt ab*.

Der Endkunde schließlich kann sich nirgendwo Vorsteuer abziehen und hat den vollen Preis für die Ware inkl. Umsatzsteuer gezahlt. Er selbst braucht jedoch keine Umsatzsteuer an das Finanzamt abzuführen, da dies ja schon die Unternehmen in der Wertschöpfungskette erledigt haben.

Notice

Bauer, Großhändler und Händler führen jeweils nur die 0,70 Euro USt ab, die bei ihnen entstanden ist. Die USt läuft also auf diesem Weg als „durchlaufender Posten“ bis zum Endkunden, welcher die gesamte Zahllast trägt.

*(Die gedachte sofortige Abführung der Umsatzsteuer ist hier zur Erklärung des Prinzips erforderlich. In der Realität  ist es noch etwas komplexer, dass werden wir jedoch spätestens beim Vorsteuerüberhang genauer betrachten.)

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Über den Autor

Mario Liedtke

Mario Liedtke hat 2013 an der DAA Düsseldorf den 'Staatlich geprüften Betriebswirt' erworben. Nun bastelt er an seinem Master (MBA). Außerdem fotografiert er gerne und fliegt gelegentlich 3D-fähige RC-Helicopter. Manchmal verbindet er auch beides miteinander.

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