Aug 26 2011

Meine Mathe-Dozentin S1

Bei Fr. M. Athe  handelt es sich um eine hochgewachsene, schlanke und junggebliebene, interessante Dame aus einem Dörfchen nah bei Düsseldorf. Sie hat uns das erste Semester über unterrichtet. Seit dem zweiten Semester habe ich Frau M. Athe, wie alle anderen, die ebenfalls den Schwerpunkt Rechnungswesen gewählt haben, weil unsere Klassen nach Schwerpunkten neu gebildet wurden.

Frau M. Athe hat uns darauf eingeschworen, dass Mathe ein sehr wichtiges Fach für uns sein wird, da wir nur durch den sicheren Umgang damit auch dem Inhalt der anderen Fächer vollständig folgen können werden. Das ist ein Statement und es stimmt!

Begonnen hat unser Semester mit der Wiederholung der Grundrechenarten. Und das war auch sehr sinnvoll. Nicht weil unsere Klasse ein besonders unterirdischen Mathematik-Niveau gehabt hätte. Nein. Es ging einfach darum, den Wissensstand aller noch einmal „glatt“ zu ziehen und im Laufe der Zeit erworbene Denkfehlerchen gleich mit aus dem Weg zu räumen. Hinzu kommt, dass sich viele Regeln, wie beispielsweise das Kommutativgesetz, im Einfachen herrlich trainieren lassen und die Richtigkeit der Aussagen bis zum Exzess belegen und prüfen lassen, ohne dass die Probe zeitaufwendig wird.

Unterricht bei Frau M. Athe sieht so aus, dass zu Beginn eines Blocks (Doppelstunde) entweder ein neues Thema begonnen wird, oder eben das Vorangegangene vertieft wird. Bei einem neuen Thema schreibt sie deshalb einfache Beispielaufgaben an die Tafel und erklärt gleichzeitig die Rechenregeln oder mathematischen Gesetze. Dieses Vorgehen wäre eigentlich ideal. Wenn, ja wenn da nicht zwei kleine Abzüge in der B-Note wären:
1) Da sie beim Anschreiben selbst auch noch vor der Tafel stand und selbstverständlich nicht durchsichtig war, lagen zwischen dem, was ich hörte und dem was sie ansagte ungefähr drei Zeilen(!). Erst abschreiben, wenn sie fertig ist, fällt wegen ihres strammen Tempos von vornherein flach. Geht nicht! Kurz: Es ist sehr schwer ihr zu folgen.
2) Die zugrunde liegenden Rechenregeln oder mathematischen Gesetze schrieb sie generell nicht an! Diese wurden rein mündlich vermittelt. Dies allerdings nicht nur einmal, sondern in Abständen auf die Stunden verteilt. Jedoch immer, wenn wir währenddessen schon längst an unseren Übungsaufgaben knabberten. Also wieder nix mit „schnell mal aufschreiben“.

Diese beiden Punkte habe anfangs gar nicht so sehr wahrgenommen. Aber im späteren Verlauf bemerkte ich, dass genau dies leider immer die Ursache dafür war, wenn ich irgendwo noch meine kleinen Defizite hatte. Darauf angesprochen, wurde ich belehrt, dass ich die Regeln und Gesetze doch nicht auf Papier brauche, sondern im Kopf haben muss. Da gebe ich ihr grundsätzlich Recht. Wie diese Dinge jedoch beim Üben nach dem Unterricht ohne Papier auf dem sie stehen noch in meinen Kopf kommen sollten, blieb sie mir jedoch eine Antwort schuldig. Gewünscht hätte ich mir auch eine Art Formeln- & Regeln-Blatt, welches den bisherigen Stoff abdeckt. Aber so etwas gab es nicht. Ich stellte mir vor, dass dies an einer Fernhochschule wohl irgendwie einfacher wäre – denn die müssen ihre Regeln und Gesetze ja auch irgendwie vermitteln. Und so war es auch. Rechtzeitig zum Ende des Semesters und nach den Klausuren erhielt ich ein PDF von einer Freundin, die an einer Fernhochschule studierte.
Zur Ehrenrettung von Fr. M. Athe muss ich allerdings auch zugeben, dass sie sich dann doch einmal breitschlagen liess, und uns einige Regeln nochmals auf Anfrage diktierte.

Meine Kritik soll übrigens nicht bedeuten, dass ich Fr. M. Athe nicht mag. Sie ist eine sehr eloquente und schwungvolle Frau. In Mathe ist sie absolut sattelfest und über jeden Zweifel erhaben. Wenn wir ein Thema zügig genug abgeschlossen hatten, so dass für den Rest der Stunde noch etwas Zeit blieb – jedoch zu wenig um neue Themen anzufangen – dann hatten wir alle auch sehr amüsante und gesellige Augenblicke mit Fr. M. Athe. Das ist schon im Gesamtpaket eine tolle Frau. Und auch keinesfalls eine schlechte Dozentin! Bei einer solchen Gelegenheit erfuhren wir übrigens auch, was ihre meistgehasste Haushaltstätigkeit ist. Wer also dieser sympathischen Frau mal einen Gefallen tun möchte, putzt einfach mal heimlich ihre Rolläden 😉

Trotzdem gibts noch ein bischen Peitsche und Zuckerbrot 😉
Nachdem also ein neues Thema erklärt wurde, erhielten wir Übungsaufgaben. Das Pensum war in der vorgegebenen Zeit generell zu schaffen, aber nicht unbedingt für jeden. Bei der anschließenden Besprechung vertiefte sich jedoch die Vorgehensweise bei allen. Besonders positiv muss ich hervorheben, dass wir eine Probeklausur bekamen. Leider war die tatsächlich folgende Klausur nochmals ein Level schwieriger. Es kam zwar definitiv nichts vor, was wir nicht grundsätzlich gelernt hatten. Aber die Aufgaben waren teilweise so gestellt, wie wir sie zuvor noch nie gesehen hatten. Da wurde ein Bruch schonmal kubisch. Dass bei unserer ersten Klausur jedoch erheblicher permanenter Baulärm durch Aufzugsmonteure störte ohne dass Frau M. Athe eingriff, empfand ich als nicht so gut. Ich würde mir wünschen, dass sie diese Handreichung zur Durchführung von Klausuren einmal zu lesen bekommt. An der Fairness der Klausurbenotung und -Berichtigung gibt es jedoch absolut keinen Fehl und Tadel. Hier sammelt Frau M. Athe wieder kräftig Pluspunkte. Ihr kommt ihre ungeheure mathematische Sattelfestigkeit zugute, denn sie erkennt scheinbar mühelos Bereiche die immerhin noch Teilpunkte verdienen und erkennt, korrigiert und bewertet auch Lösungen die durch Folgefehler falsch enden absolut fair im Sinne des Studenten. DAS muss ihr so auch erstmal einer nachmachen!

 

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